Banner
Auf den Spuren der Eisenverarbeitung im Münsterland und Gelderland 44 KM

Auf den Spuren der Eisenverarbeitung im Münsterland und Gelderland 44 KM

Warum liegt das Ruhrgebiet nicht an Aa und Issel?

Eine Fahrradtour nach einer Idee von Dr. Hermann Stenkamp, Textilwerk Bocholt

 

Aufm2021.009

Schon Jahrzehnte früher als beispielsweise in Oberhausen wurde an Issel und Aa Eisenerz geschmolzen und zu Töpfen, Öfen, Kaminplatten oder auch Kanonenkugeln gegossen. Zwischen Aa und Issel gab es große Vorkommen von Raseneisenerz oder Rasensteine.

Raseneisensteine sind durch Eisenminerale verfestigte Sedimentfraktionen des Bodens. Zumeist sind dies Sand, Ton und Schluff, manchmal Kies, sowie unter Umständen organische Substrate (vor allem Torf) mit hohen Metallgehalten. Diese häufig bis zu einem halben Meter mächtigen Vorkommen liegen dicht unter der Oberfläche.
Einige dieser frühen Stätten der Eisenverarbeitung wollen wir auf unserer Rundtour von ca. 44 KM besuchen.
Wir starten am zentralen Wegpunkt 62 in Isselburg am Turm und der kath. Kirche. Auf der anderen Isselseite gibt es für mit dem PKW Anreisende ausreichend Parkmöglichkeiten. 
Unser Weg führt uns die Issel aufwärts in Richtung Werth mit Wiesen voller Störche. In Werth mit seiner alten Windmühle und dem historischen Rathaus verlassen wir die Issel und fahren in Richtung Bocholter Aa zur St. Michaelis Eisenhütte in Liedern. Diese bereits 1739 gegründeten Hütte ist nur noch auf historischen Plänen zu sehen. Daran erinnert heute nur eine Sägemühle und der Name der dortigen Bäckerei.
Weiter geht es Aa abwärts ins niederländische Ulft. Die dortige Eisenhütte Diepenbrock & Reigers Ulft (DRU) bietet nicht nur ein aussagekräftiges Zeugnis eines historischen Fabrikkomplexes, sondern gibt mit seinem niederländischen Eisengießerei-Museum spannende Einblicke in die Geschichte der Hütte und des Gießereiwesens.
Jetzt folgen wir der teilweise renaturierten Issel wieder aufwärts zum Zusammenfluss der Issel und Aa mit einer schönen Aussichtsplattform. Hinter Gut Landfort überqueren wir die niederländisch-deutsche Grenze. Vorbei an der Wasserburg Anholt und dem Wildpark Anholter Schweiz geht es zurück zum Ausgangpunkt Isselburg.
Gegenüber vom Rathaus liegt die gut 50 Jahre später als die Michaelishütte gegründete Minerva Eisenhütte (heute Isselguss). Durch Angliederung einer Maschinenbaufabrik lieferte sie bereits im frühen 19. Jahrhundert High-Tech-Produkte. Dort wurden Dampfkessel und Dampfmaschinen für die gesamte Region und für das Ruhrgebiet produziert.

Wie ein Werk die Entwicklung einer Siedlung beeinflusst und prägt, lässt sich am Beispiel Isselburg sehr gut nachvollziehen.

Von der Fa. Isselguss geht es nun zum Ausgangspunkt Knotenpunkt 62 zurück.

 

 
GPXLi       
 
 
 
 
 
NavikiLi
 
 
 
 
 
 
KomootLi
 
 
 
 
 
 
 
 
TourbeschrLi

 

KP2021.009.1

 

Sehenswürdigkeiten

Stadtturm von Isselburg (mit Museum), kath. Kirche St. Bartholomäus, Turmwindmühle und historisches Rathhaus Werth, Hinweise zum Standort der ehemaligen Michaelis-Hütte in Liedern (Sägewerk), Turmwindmühle van Hal, Voorst (NL), neue Schleuse über den Aa-Strang mit viel Kunst, Voorst (NL), ehemalige Eisengießerei DRU (Diepenbrock und Reigers, Ulft) heute das niederländische Gießereimuseum, Zusammenfluß von Aa-Strang und Ijssel, renaturiertes Gebiet um die "oude Ijssel", mit schönem Aussichtsturm, Stichting Erfgoed Landfort (nicht zu besichtigen), Wasserburg Anholt, Biotop Wildpark Anholter Schweiz, ev. Kirche mit Leuchtern der Minerva-Hütte (Besichtigung nur auf Anfrage), ehemalige Werkzeuge der Minerva-Hütte bzw. deren Nachfolger (heute Isselguss)

Einkehrmöglichkeiten 

Auf der gesamten Strecke gibt es viele Einkehrmöglichkeiten (wegen der Coronazeit haben derzeit keine Cafe´s und Restaurants in den Niederlanden und in Deutschland geöffnet, aus diesem Grund gibt es einige beispielhafte Hinweise)

Landhaus zur Issel, Isselburg, Hotel Krasemann Werth, Bäckereicafe Lensing "Zur Eisenhütte", Restaurant zur Brüggenhütte, Isselburg, Restaurant van Hal, Voorst (NL), Museumscafe DRU, Ulft, Restaurant Wasserburg Anholt

 Ein paar Bilder zur Einstimmung auf die Tour

 

Tour von Albrecht Liesmann, Bilder von Walter Ronsdorf und Albrecht Liesmann 2021.009

 

 

 

 

Interaktiver textilgeschichtlicher Stadtplan von Bocholt

Interaktiver textilgeschichtlicher Stadtplan von Bocholt

Mit dem folgenden interaktiven Stadtplan möchten wir sie zu einem ausgedehnten Spaziergang oder einer Fahrradtour auf den Spuren der Textilindustrie einladen. Hinter den Wegpunkten verstecken sich viele Informationen.
:

Download als GPX Datei

Distanz: Kilometer

Ein Ausflug in einen Abschnitt der Textilgeschichte der Stadt Bocholt. Es ist der Start einer interaktiven Lösung...

 

Wie kann man den Stadtplan nutzen? 

Der interaktive Plan ist für stationäre und mobile Computer entwickelt worden. 


Zum einen kann man das im Desktop-Bereich Zuhause angucken (um in Ruhe Texte und Bilder zu lesen) oder man nutzt es interaktiv während man mit dem Fahrrad oder zu Fuß unterwegs ist.

Dazu sollte zuerst die Karte vergrößert werden!

Kartenindex

  • Mit dem Handy kann man den Plan interaktiv durch die Wahl des eigenen Standorts vor Ort nutzen
  • Über den Download der GPX Datei können sie entweder ihr Fahrradnavi "füttern" oder beliebige Apps (wie OSM-And, Locus oder Oruxmap) auf dem Smartphone oder Tabletcomputer aufrufen
  • Über den nachfolgenden Link starten sie die Tour auf der Komoot Internetseite oder der in der App  

 Komoot

 

 Tour mit Komoot starten

 

 

 

 

 TitelTextilges

Basis für den interaktiven  Stadtplan war der Textilgeschichtliche Stadtplan von 2002.  

Umgesetzt wurde er von M. Terwei, LWL Industriemuseum, Textilwerk Bocholt 

 

 

 

 

 

Ein kleiner Ausflug in die Textilgeschichte von Bocholt, für die Interessierten....

 Wallonische Glaubensflüchtlinge brachten im 16. Jahrhundert die Baumwollverarbeitung nach Bocholt. 1569 erfolgte die Gründung einer eigenen Zunft der "Baumseidenweber", deren Mitgliederzahl bis um 1800 auf über 440 anstieg. Die Stadt Bocholt entwickelte sich somit zu einem überregionalen Zentrum der Herstellung dieses Mischgewebes aus Leinenkette und Baumwollschuss. 

Zur Deckung des Garnbedarfes liefen in den ersten Jahrzenten des 19. Jahrhunderts bereits eine Reihe handbetriebener Spinnmaschinen. In den 1850er Jahren erfolgte der Übergang zur industriellen Produktion. Zunächst verdrängten mechanische Spinnereien ab 1852 innerhalb kurzer Zeit die Handspinnerei. Wenig später entstanden die ersten mechanischen Baumwollwebereien sowie Ausrüstungsbetriebe, die die Baumwollstoffe bleichten und färbten. Zu den typischen Bocholter Massenartikeln aus Baumwolle zählen bis heute Rohware sowie grobes gerauhtes Gewebe, wie Flanell, Betttuchbieber und Kalmuk.

Seit den 1870er Jahren entstanden eine Vielzahl an Kleinen und mittelgroßen Textilbetrieben. Weit über 60 Spinnereien, Webereien und Ausrüstungsbetriebe boten bis in die 1950er Jahre zeitweilig über 10.000 Beschäftigten Arbeit. Vom starken Wachstum der Stadt Bocholt zeugen trotz erheblicher Kriegszerstörungen und trotz des Strukturwandels in den letzten Jahrzenten viele Fabrikbauten sowie Straßenzüge mit den typischen Arbeiterhäusern und zahlreiche Fabrikantenvillen.

Am Standort der Fabriken lässt sich die Entwicklung ablesen. Liegen die ältesten Betriebe noch in der Innenstadt oder ihrer unmittelbaren Nähe am Fluss Aa, so drängen nach 1900 die Fabriken immer weiter in den damals noch unbebauten Außenbereich: von der Industriestraße zur Franken- oder Teutonenstraße, nach dem Zweiten Weltkrieg an die Franzstraße und nun in die neuen Gewerbegebiete. Bocholt entwickelte sich zu einer der wichtigsten Textilstädte in Deutschland.

Der Wohlstand in Bocholt beruht seit über 400 Jahren vor allem auf dem baumwollverarbeitenden Textilgewerbe. Das repräsentative Rathaus legt davon Zeugnis ab. Durch die aufstrebende Textilindustrie entwickelte sich die Stadt seit dem 19. Jahrhundert zum Mittelzentrum mit jetzt fast 73.000 Einwohnern.

Textilgeschichtlicher Stadtplan von 2002  ( Dr. H.-J. Stenkamp, LWL Industriemuseum, TextilWerk Bocholt)